The Dying Swans Project: Ein Tanzfilm für Gauthier Dance

„Taleb's Theory“ von Anita Hanke mit Shawn Wu – Theaterhaus Stuttgart, 2021

2021, mitten im Lockdown: Eric Gauthier lädt 16 Choreograf:innen ein, für die 16 Tänzer:innen seiner Kompanie je ein Solo zu entwickeln, jedes als eigener Film. Eines davon ist „Taleb's Theory“ von Anita Hanke, getanzt von Shawn Wu. Wir haben Regie geführt, auf der Bühne des Theaterhauses Stuttgart gedreht, geschnitten und gegradet.

Auf einen Blick

Rolle punchline studio
Regie, Kamera, Schnitt, Color Grading
Regie
Pirmin & Maik Styrnol
Choreografie
Anita Hanke (Tanztheater Hanke)
Tanz
Shawn Wu (Gauthier Dance)
Musik
Marc Strobel
Kamera
Raphael Federer (DoP), Maik Styrnol (zweite Kamera)
Schnitt & Color Grading
Maik Styrnol
Ort
Theaterhaus Stuttgart, Bühne
Veröffentlichung
April 2021 · YouTube und 3sat-Mediathek
Shawn Wu in „Taleb's Theory“ – The Dying Swans Project, Gauthier Dance – punchline studio

Die Idee: 16 Schwäne gegen den Stillstand

Anfang 2021 fielen die Tourneen von Gauthier Dance aus. Statt zu warten, startete Eric Gauthier unter dem Motto „Culture is unstoppable!“ ein neues Projekt: 16 Choreograf:innen, acht Frauen und acht Männer, interpretieren Michel Fokines „Sterbenden Schwan“ neu. Jedes Solo dauert drei bis vier Minuten, hat eigene Musik und wird als eigener Film umgesetzt. Insgesamt waren 64 Künstler:innen aus Tanz, Choreografie, Musik und Film beteiligt.

Die Proben begannen im Februar 2021. Ab dem 16. April erschienen die Filme nach und nach kostenlos auf dem YouTube-Kanal des Theaterhauses und bei Instagram. Im Mai folgte „The Dying Swans live experience“, ein Bühnenabend aus Filmen und Live-Soli.

Eric Gauthier und seine Kompanie

Eric Gauthier, 1977 in Montreal geboren, tanzte ab 1996 beim Stuttgarter Ballett, ab 2002 als Solist. 2007 gründete er am Theaterhaus Stuttgart seine eigene Kompanie, zunächst mit sechs Tänzer:innen. Heute sind es 16, und Gauthier Dance tourt international. 2015 rief er zusätzlich das Stuttgarter Tanzfestival COLOURS ins Leben.

Die Choreografin: Anita Hanke

Anita Hanke ist ausgebildete Bewegungs- und Tanzpädagogin. 1990 gründete sie das Tanztheater Markgröningen, seit 2008 gibt es einen zweiten Standort in Ludwigsburg. Als künstlerische Leiterin des Tanztheaters Hanke unterrichtet sie Jazz und Contemporary, Weiterbildungen führten sie nach London, Rochester und New York. Für das Dying Swans Project entwickelte sie „Taleb's Theory“ zur Musik von Marc Strobel.

Der Tänzer: Shawn Wu

Shawn Wu (Chen-Chiang Wu) stammt aus Taiwan. Er studierte an der Taipei National University of the Arts und der Hong Kong Academy for Performing Arts, mit Ballett, zeitgenössischem und chinesischem Tanz, Akrobatik und Kampfkunst. Nach Stationen in Lissabon und New York tanzte er als Solist am Theater St. Gallen. Seit der Saison 2020/21 ist er Teil von Gauthier Dance.

Das Solo: „Taleb's Theory“

Das Stück beginnt ruhig, zu kühlem Jazz. Dann kippt die Musik, die Bewegungen werden abgehackt und vogelhaft, auf Shawn Wus Rücken und Augenbrauen wachsen schwarze Federn. Aus dem weißen Schwan wird ein schwarzer.

Für uns: mitten auf der Bühne

Für uns kam das Projekt 2021 genau richtig. Neben WeLive, unserem Konzertfilm-Format aus der Corona-Zeit, konnten wir damit auch im Lockdown an einer Bühnenproduktion arbeiten.

Tanz wird meist live aufgezeichnet, mit Publikum im Saal. Dann hält sich die Kamera zurück: feste Positionen, Abstand zum Geschehen, nichts darf stören. Bei „Taleb's Theory“ war das anders. Wir durften mit der Kamera auf die Bühne, nah an den Tänzer heran, und die Choreografie als Film umsetzen, statt sie nur abzufilmen. Kein Publikum, auf das wir achten mussten, und keine Sorge, dem Tänzer zu nahe zu kommen.

Der Dreh: die Bühne als Studio

Gedreht haben wir auf der Bühne des Theaterhauses Stuttgart, ohne Publikum und ohne Bühnenbild, mit zwei Kameras. Raphael Federer war DoP und führte die Hauptkamera, Maik die zweite. Das Licht hat Raphael mit den Lichttechnikern vor Ort gebaut: Der schwarze Raum, gezieltes Licht und Schwarzweiß lenken den Blick ganz auf den Tänzer. Die Kamera bewegt sich mit ihm, statt von außen aufzuzeichnen. Schnitt und Grading lagen bei Maik: Der Schnitt folgt der Musik und dem Bruch in der Mitte des Stücks, das Grading gibt dem Bild seinen harten Kontrast.

„Taleb's Theory by Anita Hanke is a pure dance film directed by Pirmin and Maik Styrnol with excellent black-and-white camerawork from Raphael Federer.“ Graham Watts, Bachtrack, 20. April 2021

Ergebnis

16
Choreograf:innen
16
Soli, jedes ein eigener Film
64
Beteiligte Künstler:innen
3sat
Ausstrahlung in der Mediathek

„Taleb's Theory“ läuft auf dem YouTube-Kanal des Theaterhauses Stuttgart und in der 3sat-Mediathek. Mehr zum Projekt gibt es bei Gauthier Dance und beim Theaterhaus Stuttgart.

Was das für dein Projekt bedeutet

Ob Tanzfilm für die Kamera oder Aufzeichnung einer ganzen Aufführung: Wir planen Kamera und Schnitt gemeinsam mit der Choreografie. Mehr dazu auf unserer Seite für Tanz- und Theaterfilme.

Häufige Fragen

Dreht ihr auch Tanzfilme speziell für die Kamera, ohne Publikum?
Ja. „Taleb's Theory“ ist ein reiner Tanzfilm: Kamera, Licht und Schnitt sind Teil der Choreografie und nicht nur Aufzeichnung. Für Live-Aufführungen mit Publikum filmen wir mit mehreren Kameras parallel.
Könnt ihr auf einer Theaterbühne drehen?
Ja. Für das Dying Swans Project war die Bühne des Theaterhauses Stuttgart unser Studio. Kamerapositionen, Licht und Ablauf stimmen wir vorher mit Choreografie und Haus ab.
Wo ist der Film zu sehen?
Auf dem YouTube-Kanal des Theaterhauses Stuttgart und in der 3sat-Mediathek.

Du planst einen Tanz- oder Theaterfilm?

Vom Solo für die Kamera bis zur kompletten Aufführung: Wir bringen Kamera, Ton und Schnitt mit.