Classic meets Electro: Wie wir Oper und Live-Elektronik in einem Mix zusammenbringen

WeLive on Tour im Parktheater Lahr – ein rund 78-minütiger, durchgehend live gespielter Abend zwischen Opernarien und improvisierter Jazz-Electro, in einem Mix

Elf Musiker:innen auf einer Bühne, zwei völlig unterschiedliche Klangwelten: ein klassisches Ensemble mit zwei Opernstimmen, Streichern, Orgel und Flügel – und zwei Live-Musiker aus dem Jazz, die mit improvisierter Jazz-Electro-Musik aus analoger und digitaler Elektronik in die klassischen Blöcke hinein- und wieder herausführen. Kein DJ-Set, sondern Jazz-Electro. Für die WeLive-Folge „Classic meets Electro" im Parktheater Lahr haben wir das komplett in einem durchgehenden Take aufgenommen und anschließend gemischt und gemastert. Keine Studioproduktion mit beliebig vielen Takes, sondern ein echter, einmaliger Live-Abend, der als Aufnahme funktionieren musste.

Auf einen Blick

Rolle punchline studio
Regie, Kamera, Organisation, Schnitt, Color Grading, Mixing & Mastering
Team
Maik & Pirmin Styrnol (Regie), Raphael Federer (Cinematographer), Adrian Schaub / Schaub Licht & Ton (Live-Tonaufnahme)
Ensemble
11 Musiker:innen & Sänger:innen – Oper, Streicher, Orgel, Flügel, Live-Elektronik
Format
WeLive on Tour – „Classic meets Electro"
Ort
Parktheater Lahr
Premiere
25. Juli 2021
Classic meets Electro | WeLive on Tour – punchline studio

Ein Abend zwischen klassischen Blöcken und Jazz-Electro-Interludien

Das Konzept: Klassische Werke – teils solistisch, teils als Opernarien – wechseln sich mit improvisierten Jazz-Electro-Stücken ab, die in die klassischen Blöcke hinein- oder aus ihnen herausführen. Die Besetzung wechselt dabei ständig, von Solo-Instrumenten über Streichquintett und Orgelpositiv bis zum vollen Ensemble im Finale. Die Reihenfolge ist nicht starr: Mal steht die klassische Fassung zuerst und die Jazz-Electro-Version schließt sie ab, mal ist es umgekehrt. Über den gut 78-minütigen Abend verteilt kamen so sieben klassische Werke von Bach bis Gershwin zusammen:

Vier der sieben Werke bekamen so ein eigenes Jazz-Electro-Pendant, drei blieben rein klassisch – wobei nur die drei größeren Elektro/Jazz-Stücke (Figaro, Black Earth, Carmen Remixed) im Duo aus Julian Maier-Hauff und Konrad Hinsken gespielt wurden. Die Eröffnung, „Cello Suite Remixed", war dagegen ein Solo-Stück von Julian Maier-Hauff an der Trompete. Für den Mix bedeutet das: Nicht ein einziger Stilbruch, sondern ein Abend voller Übergänge zwischen wechselnden Besetzungen und zwei Klangsprachen – und jeder einzelne davon musste sich schlüssig anhören.

Die Besetzung: elf Musiker:innen zwischen Opernbühne und Jazz-Electro

Die Gesangspartien übernahmen die Mezzosopranistin Cornelia Lanz und der Bariton Menno Koller. Dazu kam ein Streicherensemble – Elisa Schrape (Soloviolin), Claudia Bühler und Anke-Bettina Melik (Violine), Tigran Hakhumyan (Viola), Andrej Melik (Cello) – sowie ein Orgelpositiv, das freundlicherweise das Evangelische Bezirkskantorat Lahr zur Verfügung stellte, und ein Flügel, gespielt von der ukrainischen Pianistin Anzhelika Kovalenko, die neben ihrem eigenen Solostück auch die Mozart- und Bizet-Blöcke am Flügel begleitete. Für die Live-Elektronik sorgten Julian Maier-Hauff (Electro, Trompete, Sax) und Konrad Hinsken (Electro, Keys), der auch das Gershwin-Arrangement für den Abend schrieb – beide kommen aus dem Jazz und arbeiteten entsprechend improvisierend, mit einer Mischung aus analoger und digitaler Elektronik statt eines vorproduzierten DJ-Sets.

Die technische Herausforderung: zwei Signalwelten in einem durchgehenden Take

Opernstimme, Streicher, Orgel, Flügel und improvisierte Jazz-Electro-Elektronik sind klanglich eine große Bandbreite, die typischerweise nicht zusammenpasst – und genau das musste im Mix trotzdem funktionieren, ohne eine Seite der anderen unterzuordnen.

Der wichtigste Grundsatz stand schon vor der ersten Mikrofonposition fest: Die gesamte Technik war auf die Aufnahme ausgelegt, nicht auf die Beschallung des Saals für ein Publikum vor Ort. Eine PA optimiert den Klang für den Raum in diesem Moment, eine gute Aufnahme muss dagegen über Kopfhörer und Lautsprecher zu Hause funktionieren – beide Ziele gleichzeitig zu bedienen, geht fast immer zulasten der Aufnahme. Adrian Schaub von Schaub Licht & Ton nahm das komplette Signal vor Ort mehrspurig auf, gemischt und gemastert haben wir anschließend im punchline studio.

Die zweite Besonderheit: Julian Maier-Hauff und Konrad Hinsken brachten ihre elektronischen Elemente bereits selbst grob vorgemischt mit – sie hatten die Balance innerhalb ihres eigenen Setups also schon vorgeprägt. Trotzdem wurde jedes Element einzeln als eigene Spur direkt ins Pult eingespeist statt als fertige Stereosumme. Im Mix hieß das: Wir hatten weiterhin Zugriff auf die einzelnen elektronischen Elemente, obwohl die Künstler selbst schon eine erste Balance vorgegeben hatten – eine Zwischenstufe zwischen komplett roher Mehrspuraufnahme und fertigem Stereo-Zuspiel.

Und drittens: Die Übergänge zwischen den Jazz-Electro-Stücken und den klassischen Blöcken wurden nicht im Schnitt zusammengebaut, sondern live gespielt, wie eine echte Live-Performance – ohne zweiten Take zur Korrektur. Im Mix ging es entsprechend darum, den großen Dynamikunterschied zwischen Opernstimmen, Streichern und Orgel auf der einen und komprimierter elektronischer Produktion auf der anderen Seite so zu handhaben, dass beide Klangwelten im selben durchgehenden Mix nebeneinander bestehen – ohne dass es beim Wechsel hörbar „kippt".

Die Crew

Regie führten Maik und Pirmin Styrnol gemeinsam, Pirmin Styrnol verantwortete zudem die Organisation vor Ort, Raphael Federer war als Cinematographer (Director of Photography) verantwortlich. An der Kamera standen zusätzlich Raphael Baumann und Franz Weber. Das Konzept für Bühnendesign und Set stammt von Maik und Raphael Federer; die Umsetzung vor Ort übernahm ein größeres Team – Wolfgang Richter, Taner Demiralay, Peter Jehle, Manuel Ehrhardt und Kevin Derday, unterstützt von der Haustechnik vor Ort –, wie bei einem Filmset üblich unter der Aufsicht von Regie und Cinematography. Die Live-Tonaufnahme vor Ort übernahm Adrian Schaub von Schaub Licht & Ton, Schnitt und Color Grading sowie Mixing & Mastering entstanden anschließend im punchline studio.

11
Musiker:innen & Sänger:innen im Ensemble
78 Min.
durchgehend live gespielter Take
7 Werke
von Bach bis Gershwin, vier mit Jazz-Electro-Pendant
2021
WeLive on Tour, gefördert vom Land Baden-Württemberg

Herausgekommen ist eine Aufnahme, die zwei Publika gleichzeitig bedient: Wer wegen der Opernstimmen einschaltet, bekommt saubere, unangetastete Arien. Wer wegen der Elektronik einschaltet, bekommt eine improvisierte Jazz-Electro-Auseinandersetzung mit denselben Werken. Und wer beides hört, bekommt einen durchgehenden Mix, der zwischen beidem nicht wählen musste – genau die Art von Mixing & Mastering, bei der untypisch aufgenommene, eigentlich nicht zusammenpassende Klangwelten zu einem Ganzen verschmolzen werden müssen.

Partner & Förderer

„Classic meets Electro" entstand im Rahmen von WeLive on Tour, gefördert vom Innovationsfonds Kunst 2021 des Landes Baden-Württemberg. Das Orgelpositiv stellte freundlicherweise das Evangelische Bezirkskantorat Lahr zur Verfügung.

Was das für dein Projekt bedeutet

Diese Folge zeigt, wie wir mit Mixing & Mastering-Projekten umgehen, die nicht in ein einzelnes Genre passen: nicht glätten, sondern beide Klangwelten so behandeln, wie sie es brauchen. Diese Sorgfalt bei sehr unterschiedlichen Signalquellen im selben Projekt steckt in jedem Mixing & Mastering, das wir übernehmen. Und wenn es speziell um einen Konzertmitschnitt geht, der mehrspurig aufgenommen und danach zusammengemischt werden soll, ist das die Kernaufgabe unseres Live-Recording-Mixings.

Häufige Fragen

Wie mischt man Opernstimmen und Live-Elektronik im selben Mix?
Der größte Unterschied ist der Dynamikumfang: Opernstimmen und ein akustisches Ensemble haben von Natur aus sehr leise und sehr laute Passagen, elektronische Produktion kommt dagegen meist schon komprimiert und gleichmäßig laut an. Wichtig ist, beide Signalwelten als das zu behandeln, was sie sind, statt sie auf einen gemeinsamen Nenner zu zwingen – und dafür im Mix noch echten Zugriff auf die einzelnen Elemente zu haben, nicht nur auf fertige Summen.
Warum wurde die Aufnahme nicht einfach von der Saal-PA mitgeschnitten?
Weil die komplette Mikrofonierung und Signalführung von Anfang an auf die Aufnahme ausgelegt war, nicht auf die Beschallung des Saals für ein Publikum vor Ort. Eine PA ist für den Raum optimiert, eine gute Aufnahme für das Nachhören über Kopfhörer oder Lautsprecher zu Hause – beides gleichzeitig zu bedienen, geht fast immer zulasten der Aufnahme.
Wie funktionierte der nahtlose Wechsel zwischen Jazz-Electro-Passagen und klassischen Blöcken?
Der ganze Abend wurde als durchgehende Live-Performance gespielt, nicht im Nachhinein aus Einzelteilen zusammengeschnitten. Vier Jazz-Electro-Stücke leiteten live in die klassischen Blöcke über oder schlossen sie ab – die Reihenfolge war nicht starr, mal eröffnete die klassische Fassung, mal die Jazz-Electro-Version. Im Mix ging es entsprechend darum, diese Übergänge klanglich mitzutragen, statt sie nachträglich zu konstruieren.

Dein Projekt bringt zwei Klangwelten zusammen?

Akustisch und elektronisch, klassisch und modern, oder einfach ungewöhnlich kombiniert – wir bringen es in einem Mix zusammen, ohne eine Seite zu glätten.