Reicht ein Pult-Mitschnitt für ein Live-Album?

Stereo vom Pult gegen Mehrspur – was geht, was nicht, und was es kostet

Nach fast jedem Konzert gibt es eine Aufnahme vom Mischpult. Meistens ist es ein Stereo-Mitschnitt, weil das der Knopf ist, den man am Pult ohne Vorbereitung drücken kann. Die Frage, die danach kommt, ist immer dieselbe: Reicht das für ein Live-Album? Die ehrliche Antwort lautet: für eine Veröffentlichung meistens nicht, für vieles andere schon.

Was ein Stereo-Mitschnitt eigentlich ist

Ein Stereo-Mitschnitt vom Pult ist eine Kopie dessen, was im Saal aus den Lautsprechern kam. Das klingt zunächst nach genau dem, was man will – ist aber das eigentliche Problem. Der Saalmix ist nämlich nie für sich allein gedacht gewesen. Er ist eine Ergänzung zu dem, was auf der Bühne ohnehin schon laut war.

Das Schlagzeug hat im Saal von selbst funktioniert, also hat der Techniker es kaum über die Anlage geschickt. In der Aufnahme fehlt es deshalb fast vollständig. Der Gesang musste sich gegen die Bühnenlautstärke durchsetzen und steht in der Aufnahme viel zu weit vorne. Und der Bass kam über die Subwoofer, die in einem Stereo-Mitschnitt oft gar nicht auftauchen.

Kurz gesagt: Der Mix, den man mitgeschnitten hat, war nie ein Mix für Kopfhörer. Er war ein Mix für einen bestimmten Raum an einem bestimmten Abend.

Der entscheidende Unterschied

Bei einer Mehrspuraufnahme liegt jedes Instrument einzeln vor. Man kann jede Entscheidung neu treffen. Bei einem Stereo-Mitschnitt sind alle Entscheidungen bereits getroffen und lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Wenn die Gitarre zu laut ist, bleibt sie zu laut – es gibt keinen Regler mehr für sie allein.

Was sich an einem Stereo-Mitschnitt trotzdem machen lässt

Das heißt nicht, dass ein Stereo-Mitschnitt wertlos ist. Einiges lässt sich deutlich verbessern:

Klangbalance über den gesamten Frequenzbereich. Wenn die Aufnahme insgesamt dumpf, dünn oder mittenlastig klingt, lässt sich das mit sorgfältiger Entzerrung erheblich korrigieren. Aus einer muffigen Aufnahme wird so eine, die man gerne hört.

Störgeräusche und Rauschen. Brummen, Zischen, einzelne Rückkopplungen und Nebengeräusche lassen sich mit Restaurationswerkzeugen entfernen, ohne dass die Musik darunter leidet.

Lautstärke und Dynamik. Der Mitschnitt kann auf Streaming-Niveau gebracht werden, sodass er neben anderen Aufnahmen nicht leiser wirkt. Auch Lautstärkeunterschiede zwischen den Stücken lassen sich angleichen.

Schnitt und Ablauf. Applaus kürzen, Ansagen entfernen, Übergänge sauber setzen, das Konzert in einzelne Titel zerlegen – all das ist unabhängig von der Spurenzahl möglich.

Was nicht geht

Nicht möglich ist alles, was einzelne Instrumente betrifft. Man kann den Gesang nicht leiser machen, ohne dass die Musik dahinter mit leiser wird. Man kann kein fehlendes Schlagzeug ergänzen. Man kann eine Gitarre, die im Saalmix zu spitz klang, nicht isoliert entschärfen. Und man kann eine Bassdrum, die schlicht nicht aufgenommen wurde, nicht nachträglich hervorholen.

Für eine Veröffentlichung auf Spotify oder eine CD, die man verkauft, ist das in den meisten Fällen zu wenig. Für ein Konzertvideo auf YouTube, eine Vereinsdokumentation oder eine Aufnahme fürs Archiv kann es völlig ausreichen.

Wann sich der Aufwand lohnt

Wenn schon feststeht, dass aus einem Konzert eine Veröffentlichung werden soll, lohnt sich die Mehrspuraufnahme fast immer – vorausgesetzt, man denkt vorher daran. Der Mehraufwand am Konzerttag ist gering: Bei den meisten Digitalpulten sind es ein paar Einstellungen und ein Rechner oder eine SD-Karte. Was danach möglich ist, unterscheidet sich dagegen grundlegend.

Wie das bei den gängigen Pulten funktioniert, haben wir hier ausführlich beschrieben: Livemitschnitt vom Digitalpult – so exportierst du die Spuren richtig.

Und wenn schon ein Stereo-Mitschnitt vorliegt: Schick ihn uns trotzdem. Wir hören ihn uns an und sagen dir ehrlich, was daraus wird. Manchmal ist das Ergebnis besser als erwartet, manchmal raten wir davon ab. Beides erfährst du vorher und nicht hinterher.

Kurz zusammengefasst

  • Ein Stereo-Mitschnitt ist der Saalmix und war nie als eigenständige Aufnahme gedacht
  • Klangbalance, Störgeräusche, Lautstärke und Schnitt lassen sich deutlich verbessern
  • Einzelne Instrumente lassen sich nicht mehr neu gewichten oder ergänzen
  • Für YouTube und Archiv reicht es oft, für eine Veröffentlichung meistens nicht
  • Die Mehrspuraufnahme kostet am Konzerttag kaum Aufwand und entscheidet über alles Weitere

Häufige Fragen

Reicht ein Stereo-Mitschnitt vom Mischpult für ein Live-Album?
Für eine Veröffentlichung meistens nicht. Ein Stereo-Mitschnitt ist eine Kopie des Saalmixes und war nie als eigenständige Aufnahme gedacht: Das Schlagzeug lief live über die Bühne und fehlt in der Aufnahme, der Gesang steht zu weit vorne, der Bass kam über Subwoofer. Diese Gewichtung lässt sich nachträglich nicht mehr auflösen, weil es keine getrennten Spuren gibt. Für ein Konzertvideo oder eine Archivaufnahme kann ein Stereo-Mitschnitt dagegen völlig ausreichen.
Was lässt sich an einem Stereo-Mitschnitt vom Pult noch verbessern?
Die Klangbalance über den gesamten Frequenzbereich lässt sich mit Entzerrung deutlich verbessern, Brummen, Rauschen und einzelne Rückkopplungen lassen sich entfernen. Auch Lautstärke und Dynamik können auf Streaming-Niveau gebracht und Unterschiede zwischen den Stücken angeglichen werden. Dazu kommt der Schnitt: Applaus kürzen, Ansagen entfernen, das Konzert in einzelne Titel zerlegen.
Warum klingt der Mitschnitt vom Mischpult anders als das Konzert im Saal?
Weil der Saalmix nur ein Teil dessen war, was das Publikum gehört hat. Auf der Bühne waren Schlagzeug und Verstärker ohnehin laut, deshalb liefen sie kaum über die Anlage. Im Mitschnitt fehlt dieser Anteil vollständig, während Gesang und andere leise Signale übermäßig präsent sind. Der Mix war für einen bestimmten Raum gemacht und nicht für Kopfhörer.
Was kostet es, einen Livemitschnitt mischen zu lassen?
Live-Recording Mixing beginnt bei 450 € pro Stück, Mastering bei 95 €, beides zusammen bei 515 €. Ein ganzes Konzert rechnen wir als Gesamtpaket ab, bei vielen kurzen Titeln über eine Staffelung bis 10 % Rabatt, bei langen Werken wie Klassik- und Kirchenkonzerten nach Gesamtlaufzeit und Spurenzahl. Alle Preise inklusive Mehrwertsteuer.

Was wir aus Live-Material machen, hörst du unter Mixing für Konzertmitschnitte – dort stehen Hörbeispiele aus echten Konzertmitschnitten.