Chorkonzert aufnehmen: Was du brauchst, damit sich das Mischen lohnt

Für Chöre, Orchester, Kirchenmusik und Musikvereine

Chöre und Orchester nehmen ihre Konzerte fast immer auf. Was danach mit der Aufnahme passiert, ist eine andere Frage – häufig landet sie im Archiv und wird nie wieder angehört, weil sie einfach nicht gut genug klingt. Dabei liegt das selten am Können der Sänger. Es liegt fast immer daran, wie aufgenommen wurde. Ein paar Entscheidungen am Konzerttag bestimmen, ob sich daraus später eine CD machen lässt.

Warum ein Chor schwieriger aufzunehmen ist als eine Band

Bei einer Band hat jedes Instrument sein eigenes Mikrofon, oft direkt daneben oder sogar am Instrument selbst. Ein Chor funktioniert anders: Der Klang entsteht erst dadurch, dass viele Stimmen zusammen im Raum klingen. Man nimmt also nicht einzelne Sänger auf, sondern einen Klangkörper und den Raum, in dem er steht.

Das macht die Mikrofonposition wichtiger als die Mikrofonqualität. Ein gut aufgestelltes Paar preiswerter Mikrofone liefert eine bessere Grundlage als teure Mikrofone an der falschen Stelle. Und im Gegensatz zu einer Bandaufnahme lässt sich eine ungünstige Aufstellung später kaum ausgleichen.

Das Minimum: ein sauberes Hauptmikrofonpaar

Die Basis jeder Chor- und Orchesteraufnahme ist ein Stereopaar vor dem Ensemble, üblicherweise in etwa zwei bis drei Metern Höhe und leicht nach unten geneigt. Dieses Paar liefert das Gesamtbild und macht später den größten Teil des Mixes aus.

Entscheidend ist der Abstand. Steht das Paar zu nah, klingt die Aufnahme trocken und die vorderen Stimmen sind zu präsent. Steht es zu weit weg, überwiegt der Nachhall des Raums und die Verständlichkeit geht verloren. In einer Kirche mit langer Nachhallzeit ist der richtige Abstand oft deutlich kleiner, als man vermutet.

Praktischer Hinweis

Wenn möglich, hört euch die Aufnahme während der Generalprobe kurz über Kopfhörer an – nicht über die Lautsprecher im Saal. Zehn Minuten reichen, um zu merken, ob das Hauptmikrofonpaar zu nah oder zu weit weg steht. Nach dem Konzert ist diese Entscheidung nicht mehr korrigierbar.

Was zusätzlich hilft

Stützmikrofone für einzelne Register. Ein oder zwei zusätzliche Mikrofone für Bässe und Tenöre, die im Hauptmikrofonpaar oft untergehen, geben uns im Mix Spielraum. Sie werden später nur beigemischt, nicht als Hauptquelle verwendet.

Solisten und Instrumentalbegleitung getrennt. Solostimmen, Orgel, Klavier oder ein kleines Instrumentalensemble sollten eigene Mikrofone bekommen. Das Verhältnis zwischen Solist und Chor ist die häufigste Korrektur, die wir im Mix vornehmen – und ohne eigene Spur ist sie unmöglich.

Alles einzeln aufzeichnen. Alle Mikrofone sollten auf getrennte Spuren aufgenommen werden und nicht schon während des Konzerts zu einer Stereosumme zusammengemischt werden. Wie das mit den gängigen Pulten funktioniert, steht in unserem Artikel zum Export der Spuren vom Digitalpult.

Zwei Aufführungen aufnehmen. Wenn ein Programm zweimal gespielt wird, nehmt beide Abende auf. Wir können daraus eine Fassung bauen und einzelne Stellen austauschen, an denen etwas schiefgegangen ist. Voraussetzung ist, dass die Aufstellung an beiden Abenden gleich bleibt.

Häufige Fehler

Der häufigste Fehler ist eine Aufnahme, die nur aus einem Raummikrofon oder einem Kamerastativ heraus entsteht. Daraus lässt sich nachträglich fast nichts machen. Ebenfalls verbreitet: zu laut ausgesteuert, sodass die lauten Stellen verzerren. Bei klassischer Musik ist der Unterschied zwischen der leisesten und der lautesten Stelle sehr groß – lieber deutlich leiser aufnehmen, das lässt sich im Mix problemlos anheben.

Und schließlich: Publikum. Husten, Programmhefte, Stühle. Einzelne Störgeräusche lassen sich entfernen, dauerhafte Unruhe nicht. Ein Hinweis vor Beginn hilft mehr als jede spätere Bearbeitung.

Was wir daraus machen

Bei klassischem Material arbeiten wir zurückhaltender als bei einer Bandaufnahme. Es geht nicht um Druck und Lautheit, sondern darum, dass die Register durchhörbar bleiben, der Raum natürlich klingt und die Dynamik erhalten bleibt. Auf Wunsch liefern wir ein fertiges CD-Master samt DDP-Datei, die das Presswerk direkt verarbeiten kann.

Kurz zusammengefasst

  • Die Mikrofonposition ist wichtiger als die Mikrofonqualität
  • Ein sauber aufgestelltes Hauptmikrofonpaar trägt den größten Teil der Aufnahme
  • Solisten und Begleitinstrumente brauchen eigene Mikrofone und eigene Spuren
  • Lieber leiser aussteuern – klassische Musik hat einen sehr großen Dynamikumfang
  • Bei zwei Aufführungen beide aufnehmen, dann lassen sich Stellen austauschen

Häufige Fragen

Was braucht man, um ein Chorkonzert aufzunehmen?
Die Basis ist ein Stereopaar vor dem Ensemble in etwa zwei bis drei Metern Höhe, leicht nach unten geneigt. Dieses Hauptmikrofonpaar trägt den größten Teil der Aufnahme. Sinnvoll sind zusätzlich Stützmikrofone für Register, die sonst untergehen, sowie eigene Mikrofone für Solisten und Begleitinstrumente wie Orgel oder Klavier. Alle Mikrofone sollten auf getrennte Spuren aufgezeichnet werden und nicht während des Konzerts zu einer Stereosumme gemischt werden.
Warum klingt unsere Chorkonzert-Aufnahme dumpf oder verwaschen?
Meistens liegt es am Abstand des Hauptmikrofonpaars. Steht es zu weit vom Ensemble entfernt, überwiegt der Nachhall des Raums und die Verständlichkeit geht verloren. Gerade in Kirchen mit langer Nachhallzeit ist der richtige Abstand deutlich kleiner als vermutet. Eine Aufnahme aus einem einzelnen Raummikrofon oder vom Kamerastativ lässt sich nachträglich kaum verbessern.
Kann man zwei Aufführungen zu einer Aufnahme zusammensetzen?
Ja, das ist bei Chor- und Orchesteraufnahmen üblich. Wenn ein Programm zweimal gespielt wird, lassen sich einzelne Stellen austauschen, an denen etwas schiefgegangen ist. Voraussetzung ist, dass Aufstellung, Mikrofonierung und Spurbelegung an beiden Abenden identisch bleiben. Wir gleichen Klang und Lautstärke dann über beide Aufnahmen hinweg an, sodass eine durchgehende Fassung entsteht.
Bekommen wir ein fertiges CD-Master für das Presswerk?
Ja. Auf Wunsch liefern wir ein CD-Master inklusive DDP-Datei, die ein Presswerk direkt verarbeiten kann, mit korrekten Pausen, Übergängen und auf Wunsch eingebetteten ISRC-Codes. Parallel dazu erstellen wir ein zweites Master für Streamingdienste, weil dort andere Lautheitsvorgaben gelten.

Wenn ihr ein Konzert plant und vorher wissen wollt, worauf es bei der Aufnahme ankommt, meldet euch einfach. Alles Weitere zu Ablauf und Preisen steht unter Chor- und Konzertmitschnitte mischen lassen.