Deep Purple in der Kärntenhalle: Ein Drehtag bei der Long-Goodbye-Tour

Interview mit Bassist Roger Glover und Konzertdreh beim Klagenfurt-Stopp von Deep Purples Abschiedstournee, Kärntenhalle, 1. Dezember 2019

Am 1. Dezember 2019 machte Deep Purple auf ihrer Long-Goodbye-Tour in der Kärntenhalle Klagenfurt Station – benannt zur Unterstützung des Albums „Infinite" und von Fans vielfach als möglicher Abschied der Band von großen Tourneen gedeutet. Für unsere Doku „Heart and Soul" durften wir an diesem Abend hinter die Kulissen: mit Interview, Backstage-Material und Konzertdreh. Den Kontakt vermittelte Tourmanager Lothar Strunk, der mit der Lahrer Band Scaramouche seit den späten Neunzigern verbunden war.

Auf einen Blick

Rolle punchline studio
Kamera, Interview, Backstage-Dokumentation
Team
Pirmin & Maik Styrnol, Lukas Karl (Kamera), Angelika Kovalenko (Make-Up)
Tour
The Long Goodbye Tour (Album „Infinite")
Ort
Kärntenhalle, Messe Klagenfurt, Österreich
Datum
1. Dezember 2019
Deep Purple live in der Kärntenhalle Klagenfurt während der Long-Goodbye-Tour

Hintergrund: Eine Tournee mit besonderem Vorzeichen

Die Long Goodbye Tour begleitete Deep Purples 20. Studioalbum „Infinite" von 2017 bis Ende 2019 durch Europa, Nord- und Südamerika, Japan und Mexiko. Ihr Name war kein Zufall: Nach einem leichten Schlaganfall im Jahr 2016, der Schlagzeuger Ian Paice an der rechten Hand einschränkte, deutete die Band selbst an, dies könne die letzte große Welttournee ihrer Karriere sein. Entsprechend aufgeladen war die Stimmung an Konzertabenden wie diesem – auch wenn Deep Purple seither noch mehrfach auf Tour gegangen ist.

Der Draht zur Band lief über Lothar Strunk. Er hatte Scaramouche 1997 live gesehen, ging direkt danach backstage und unterstützte die Lahrer Band von da an mit Kontakten und Equipment. Parallel dazu war er selbst über Jahrzehnte in der Musikbranche unterwegs – als Tourmanager für Deep Purple und die Scorpions, als Livetechniker bei a-ha und der Westernhagen-Stadiontour. Im Juni 2019 besprach Regisseur Pirmin Styrnol mit ihm in Kiew die Möglichkeit eines Drehs bei Deep Purple. Der Zuschlag kam ein halbes Jahr später, pünktlich zum Tourstopp in Klagenfurt.

Aufbautag in der Kärntenhalle

Der Ablauf stand minutiös fest: Treffpunkt kurz vor sieben Uhr morgens, Bühnenaufbau ab acht, Soundcheck am Nachmittag, Konzertbeginn gegen 21 Uhr. Um das Risiko einer Verspätung auszuschließen, reisten wir bereits am Vortag an. Als wir die Halle betraten, stand nur das nackte Bühnengerüst – umgeben von rund 70 Roadies, die auf ihren Einsatz warteten.

Improvisiertes Interview-Studio aus Messehallen-Wänden im Backstage-Bereich der Kärntenhalle
Deep-Purple-Bassist Roger Glover während des Interviews mit punchline studio

Die Deep-Purple-Crew stellte uns direkt neben dem Tourmanagement einen Raum aus vier Steckwänden zur Verfügung – unser Arbeitsplatz für den Rest des Tages. Um acht Uhr montierte Kameramann Lukas Karl die Black-Magic-Kamera aufs Gimbal, dann rollten drei Sattelschlepper mit der kompletten Bühnentechnik in die Halle. Binnen vier Stunden wurde aus der leeren Fläche eine fertige Konzerthalle mit Licht-, Ton- und LED-Anlage.

Improvisation: Ein Studio ohne Bauplan

Für das geplante Interview mit Roger Glover fehlte ein passender Raum – in der Messehalle gab es keinen. Also wurde unser Steckwand-Büro kurzerhand zum provisorischen Fernsehstudio. Die eigentliche Herausforderung war das Licht: grelle Baustrahler unter der Hallendecke, kein eigenes Dach über dem Büroabteil. Die Lösung fanden wir in einem einzelnen Reflektor direkt über dem Interviewplatz, der den größten Deckenstrahler abfing und genug Kontrolle über das Licht brachte, um sauber zu filmen.

„Lothar arbeitet seit so vielen Jahren mit uns. Allein daran siehst du, was wir von ihm halten – und er würde nichts unterstützen, das keine Qualität hat." Roger Glover, Bassist von Deep Purple, im Interview über Lothar Strunk

Das Gespräch mit Roger Glover

Rund zwei Stunden vor Konzertbeginn brachte Lothar seinen Bassisten vorbei: Roger Glover, ehemals bei Rainbow, Produzent von Bands wie Nazareth, Judas Priest und Status Quo, Mitautor von „Smoke on the Water". Über eine halbe Stunde nahm er sich für unser kleines Filmprojekt über Scaramouche Zeit – unvorbereitet, wie er selbst sagte: „Dann sind die Antworten echter." Sie waren es auch: Auf jede Frage, ob nach seinem Antrieb nach Jahrzehnten auf der Bühne oder danach, was jungen Bands oft fehlt, kamen druckreife Antworten ohne Zögern.

Auf der Bühne: The Long Goodbye in Klagenfurt

Support-Act The Weight eröffnete den Abend, dann übernahm Deep Purple die Bühne. Ian Gillan, Steve Morse, Don Airey, Roger Glover und Ian Paice spielten sich unter anderem durch „Highway Star", „Perfect Strangers" und „Space Truckin'", bevor „Smoke on the Water" das Publikum vollständig zum Mitsingen brachte. In der Zugabe sorgte Geigerin Lidia Baich als Gastmusikerin für einen zusätzlichen Höhepunkt – ein Detail, das die über 4.000 Zuschauer in der ausverkauften Halle nicht mehr vergessen dürften. Unsere Kameras bewegten sich währenddessen zwischen Bühnenrand und Publikum, während der Livemischer der Band uns den Ton zur Verfügung stellte.

Roger Glover am Bass beim Konzert in der Kärntenhalle Klagenfurt
21 Std.
Drehzeit am Konzerttag
4.000+
Zuschauer in der Kärntenhalle
30+ Min.
Interview mit Roger Glover
16
Songs im Set inkl. Zugabe

Zum Abschluss verabschiedete sich Frontmann Ian Gillan mit den Worten „You have been amazing, marvellous, superb" vom Publikum. Wir saßen erst gegen drei Uhr morgens wieder in unserer Unterkunft – nach elf Stunden Anfahrt am Vortag, einer kurzen Nacht mit sehr wenig Schlaf und 21 Stunden Dreh am Konzerttag erschöpft, aber zu aufgekratzt, um sofort einzuschlafen.

Randnotiz: Material für die Band selbst

Unser eigentlicher Auftrag an diesem Abend war die Doku „Heart and Soul". Während des Drehs kam allerdings ein zweiter Auftrag hinzu: Deep Purple fragte zusätzliches Material für die interne Nutzung der Band an. Details dazu können wir aus Vertraulichkeitsgründen nicht teilen – bemerkenswert ist trotzdem, dass unsere Arbeit vor Ort über den ursprünglichen Anlass hinaus überzeugt hat.

Es war ebenfalls Lothar Strunk, der uns ein Jahr später für eine weitere internationale Live-Produktion anfragte: die Tour „Music & Stories" mit Uriah Heep, Wishbone Ash und Nazareth.

Was das für dein Projekt bedeutet

Die Kärntenhalle war ein Tag ohne Sicherheitsnetz: kein fester Interviewraum, ein durchgetakteter Zeitplan, spontane Entscheidungen vor Ort. Genau diese Fähigkeit, auch unter Druck ein professionelles Ergebnis zu liefern, bringen wir in jede Konzertfilm-Produktion und jeden Dokumentarfilm-Dreh mit, bei dem sich Details erst vor Ort klären.

Häufige Fragen

Filmt ihr auch Interviews mit internationalen Rockmusikern?
Ja, genau darum geht es in dieser Case Study. Von der Terminabsprache über die technische Vorbereitung bis zum fertigen Schnitt begleiten wir das komplett – auch wenn die Bedingungen vor Ort improvisiert sind.
Was tut ihr, wenn am Drehort kein passender Interviewraum vorhanden ist?
Wir bauen uns notfalls selbst einen, wie in der Kärntenhalle Klagenfurt geschehen. Mit dem verfügbaren Material vor Ort lässt sich mit etwas Erfahrung fast immer eine brauchbare Lösung für Licht und Ton finden.
Übernehmt ihr auch Zusatzaufträge während eines laufenden Drehs?
Kommt vor, wie bei diesem Dreh. Fragt eine Band oder ein Management während der Produktion nach zusätzlichem Material für die eigene, interne Nutzung, prüfen wir das im Rahmen unserer Kapazitäten vor Ort.

Du planst einen Dreh mit engem Zeitfenster?

Ob Interview, Konzertmitschnitt oder Dokumentation – wir bringen Kamera, Konzept und die Ruhe, auch unter Druck zu liefern.