Die Frage kommt fast immer im ersten Gespräch: Brauchen wir einen eigenen Raum, oder kommt ihr zu uns, oder geht das nicht auch einfach über das Internet? Alle drei Wege funktionieren, aber sie funktionieren für unterschiedliche Vorhaben. Wer jede Woche eine Folge veröffentlicht, braucht etwas anderes als jemand, der eine sechsteilige Serie produziert und danach erstmal nichts mehr.
Der Raum entscheidet mehr als das Mikrofon
Wer bei Podcast-Sound zuerst an Mikrofone denkt, fängt am falschen Ende an. Ein gutes Mikrofon in einem halligen Raum klingt schlechter als ein mittelmäßiges Mikrofon in einem gedämpften. Der Grund ist simpel: Ein Mikrofon nimmt nicht nur die Stimme auf, sondern auch alles, was von Wänden, Tisch und Fenster zurückkommt. Diese Reflexionen bekommt man hinterher nicht mehr heraus, jedenfalls nicht, ohne dass es nach Telefon klingt.
Deshalb ist die erste Frage bei jedem Podcast-Projekt nicht, welches Mikrofon, sondern welcher Raum. Ein kleiner Besprechungsraum mit Teppich, Vorhängen und einem vollen Regal ist fast immer besser als der repräsentative große Konferenzraum mit Glasfront und poliertem Tisch. Wir schauen uns das vorher an, notfalls über ein paar Handyvideos und eine Sprachnachricht, die im Raum aufgenommen wurde. Daran hört man schon eine Menge.
Weg 1: Ein fester Aufbau in euren Räumen
Wenn regelmäßig veröffentlicht wird, lohnt sich ein dauerhafter Aufbau. Wir richten einen Raum einmal ein – Mikrofone, Stative, Interface, Kopfhörer, bei Bedarf Absorber an den richtigen Stellen – und legen fest, wie aufgenommen wird. Danach braucht es zum Start einer Folge im Idealfall zwei Handgriffe.
Der Vorteil ist nicht nur der Preis pro Folge. Es ist die Gleichmäßigkeit: Jede Folge klingt wie die davor, weil Position, Pegel und Raum gleich bleiben. Das merkt man als Hörer erst, wenn es fehlt. Der Nachteil ist, dass es einen geeigneten Raum braucht, den man nicht ständig anders nutzt.
Weg 2: Mobiles Studio vor Ort
Für Aufnahmen an wechselnden Orten kommen wir mit dem mobilen Aufbau: Mikrofone, Stative, Mehrspur-Recorder, Kopfhörer für alle Beteiligten und die nötige Dämpfung. Das ist der Weg für Interviews beim Gast, für Aufnahmen auf einer Messe oder Veranstaltung, und für Projekte mit wenigen Folgen, bei denen sich ein fester Aufbau nicht rechnet.
Der eigentliche Vorteil ist, dass jemand dabei ist, der auf die Pegel schaut. Die meisten missglückten Aufnahmen scheitern nicht an der Technik, sondern daran, dass niemand gemerkt hat, dass ein Kanal seit zehn Minuten übersteuert oder ein Mikrofon verrutscht ist. Bei einem Gespräch, das man nicht wiederholen kann, ist das der entscheidende Unterschied.
Weg 3: Komplett remote
Remote heißt nicht, den Videocall mitzuschneiden. Was wir machen, nennt sich Double-Ender: Jeder Teilnehmer nimmt sich lokal auf, in voller Qualität, unabhängig von der Internetverbindung. Gesprochen wird trotzdem über den Call, aber der Call ist nur die Leitung, nicht die Aufnahme. Am Ende schicken alle ihre Spur, wir legen sie übereinander und gleichen den Versatz aus.
So klingt eine Aufnahme aus Freiburg, Rom und Los Angeles hinterher wie aus einem Raum. Wir arbeiten ohnehin täglich mit Künstlern in Deutschland, Italien und den USA komplett online, für Podcasts gilt technisch nichts anderes.
Woran Remote-Aufnahmen tatsächlich scheitern
Nicht an der Leitung. Sondern an zwei Dingen: Jemand trägt keine Kopfhörer, dadurch läuft die Stimme des Gegenübers über die Lautsprecher zurück ins Mikrofon und lässt sich nie wieder sauber trennen. Und jemand sitzt in einem Raum, in dem es hallt. Die schlechteste Aufnahme des Abends bestimmt, wie professionell die ganze Folge klingt. Deshalb schicken wir vorher eine kurze Anleitung und hören uns eine Testaufnahme an, bevor es ernst wird. Das kostet zehn Minuten und rettet ganze Folgen.
Was nach der Aufnahme passiert
Der Schnitt ist bei Podcasts mehr Arbeit als die Aufnahme. Versprecher raus, lange Pausen kürzen, Störgeräusche entfernen, die Stimmen untereinander auf ein einheitliches Niveau bringen. Danach folgt die Mischung: Jede Stimme bekommt ihre Bearbeitung, damit alle gleich präsent klingen, egal ob jemand nah am Mikrofon sitzt oder eher zurückhaltend spricht.
Zum Schluss die Lautheit. Für Sprache liegt der übliche Zielwert bei etwa −16 LUFS, damit eure Folge auf den Plattformen so laut ist wie alle anderen und niemand nachregeln muss. Intro, Outro und Einspieler gehören auf dasselbe Niveau, sonst erschrickt man beim Jingle.
Kurz zusammengefasst
- Der Raum bestimmt den Sound stärker als das Mikrofon – ein kleiner gedämpfter Raum schlägt den großen Konferenzraum
- Fester Aufbau lohnt sich bei regelmäßigen Folgen, vor allem wegen der Gleichmäßigkeit
- Mobiles Studio ist der Weg für wechselnde Orte und für Gespräche, die man nicht wiederholen kann
- Remote funktioniert als Double-Ender: jeder nimmt lokal auf, der Call ist nur die Leitung
- Kopfhörer sind bei Remote-Aufnahmen nicht optional, sonst ist die Trennung der Stimmen dahin
Häufige Fragen
Wenn du nicht sicher bist, welcher der drei Wege zu eurem Vorhaben passt, schick uns kurz, was ihr vorhabt und wie oft ihr veröffentlichen wollt. Wir sagen ehrlich, was sinnvoll ist – auch wenn das manchmal heißt, dass ihr erstmal gar nichts kaufen müsst. Alles zu unserer Podcast-Produktion im punchline studio.