Jahreskonzert aufnehmen: worauf es beim Musikverein ankommt

Halle, Aufbauzeit, Moderation – und das eine Problem, das fast jedes Vereinskonzert hat

Ein Jahreskonzert ist für einen Musikverein der Abend, auf den ein Jahr Probenarbeit zuläuft. Aufgenommen wird er trotzdem oft nebenbei – ein Aufnahmegerät hinten auf einem Stativ, und hinterher wundert man sich, warum die Aufnahme so wenig mit dem Abend zu tun hat. Dabei sind die Gründe dafür fast immer dieselben, und die meisten lassen sich mit etwas Vorbereitung ausräumen.

Die Halle ist der schwierigste Teil

Die wenigsten Vereine spielen in einem Konzertsaal. Es ist meistens eine Festhalle oder eine Turnhalle: große, parallele, harte Flächen, viel Nachhall, wenig Absorption. Für das Publikum im Raum funktioniert das besser, als man denkt, weil das Ohr den Hall herausrechnet. Ein Mikrofon macht das nicht. Es nimmt den Hall mit auf, und zwar in voller Länge.

Dazu kommt ein Effekt, den man leicht unterschätzt: Eine Halle klingt voll völlig anders als leer. Fünfhundert Menschen in Wintermänteln schlucken eine Menge Nachhall. Wer bei der Generalprobe in der leeren Halle alles einstellt und dann nicht mehr hinhört, hat am Abend eine andere Akustik vor sich. Deshalb bauen wir bei der Generalprobe auf, kontrollieren aber beim Einlass und vor dem ersten Stück noch einmal.

Hauptmikrofon plus Stützen, nicht mehr

Die Grundlage ist ein Hauptmikrofon-System vor dem Orchester, das den Gesamtklang und die Halle einfängt. Es liefert das Bild, das dem entspricht, was ein Zuhörer in guter Position hört. Alles Weitere sind Stützen: Mikrofone für Soli, für das Schlagwerk, für Gesang, für Register, die im Hauptmikrofon untergehen.

Der häufigste Fehler ist, zu viele Stützen zu setzen und sie zu laut zu mischen. Der Dirigent hat ein Jahr daran gearbeitet, dass die Balance im Orchester stimmt. Wenn man hinterher jede Stimme einzeln hochzieht, macht man diese Arbeit kaputt. Stützen sind dafür da, etwas hörbar zu machen, das sonst verloren geht – nicht dafür, das Orchester neu zu erfinden.

Der Punkt, an dem es fast immer hakt: die Ansagen

Bei praktisch jedem Vereinskonzert gibt es eine Moderation. Und bei praktisch jedem Vereinskonzert läuft ihr Mikrofon nur über die Beschallungsanlage und landet nirgendwo in der Aufnahme. Das Hauptmikrofon steht vorne beim Orchester und nimmt die Ansage nur als fernes Echo aus dem Saal mit. Hinterher hat man dann die Stücke, aber der Abend hängt nicht zusammen. Die Lösung kostet fünf Minuten: entweder eine eigene Spur vom Mischpult der Beschallung abnehmen oder ein Mikrofon am Rednerpult mitlaufen lassen. Man muss nur vorher daran denken.

Zwischen Generalprobe und Konzert bleibt wenig Zeit

Der Zeitplan ist bei Vereinskonzerten fast immer eng. Die Generalprobe endet, danach wird bestuhlt, dekoriert, der Getränkestand aufgebaut, und um sieben kommen die ersten Gäste. Wer in diesem Fenster noch Kabel verlegen will, steht im Weg.

Wir bauen deshalb vor oder während der Generalprobe auf und kleben danach alles ab, was am Boden liegt. Nach dem Einlass wird nichts mehr umgesteckt. Was bis dahin nicht funktioniert, funktioniert an dem Abend nicht mehr – das ist unangenehm, aber es ist besser, das vorher zu wissen, als während des ersten Stücks daran herumzuschrauben.

Applaus gehört dazu

Ein Mitschnitt ohne Publikum klingt steril. Der Applaus, das Lachen bei einer gelungenen Ansage, das kurze Stühlerücken vor dem Einsatz – das ist der Unterschied zwischen einer Aufnahme und einem Abend. Wir nehmen das Publikum bewusst mit auf und schneiden es hinterher nicht weg, sondern dosieren es.

Was man dagegen wegschneiden kann, sind die zehn Minuten Umbaupause und der Huster direkt vor dem Solo. Das ist der Unterschied zwischen dokumentieren und gestalten, und darüber reden wir vorher.

Was danach passiert

Jedes Stück wird einzeln gemischt, weil sich die Besetzung ändert: Ein Choral braucht eine andere Balance als eine Polka mit Gesang. Danach werden alle Stücke auf ein gemeinsames Niveau gebracht, damit man beim Hören nicht nachregeln muss, und zum Schluss gemastert.

Was am Ende herauskommt, hängt davon ab, was der Verein damit vorhat: eine Datei für die Mitglieder, einzelne Stücke für die Vereinsseite, ein fertiger Mitschnitt für YouTube, oder eine CD für den Verkauf am Ausschank. Das legen wir vorher fest, weil es den Schnitt beeinflusst.

Kurz zusammengefasst

  • Festhallen klingen voll völlig anders als leer – Einstellungen aus der Generalprobe vor dem Konzert nachkontrollieren
  • Hauptmikrofon für den Gesamtklang, Stützen nur für das, was sonst untergeht
  • Die Balance des Dirigenten ist das Ziel, nicht ein neu erfundener Mix
  • Die Ansagen brauchen eine eigene Spur, sonst hängt der Abend hinterher nicht zusammen
  • Nach dem Einlass wird nichts mehr umgesteckt – der Aufbau muss vorher stehen
  • Applaus mit aufnehmen, dosieren statt wegschneiden

Häufige Fragen

Wie nimmt man ein Konzert in einer Festhalle oder Turnhalle auf?
Mit einem Hauptmikrofon-System vor dem Orchester, das Gesamtklang und Raum einfängt, und wenigen Stützmikrofonen für Soli, Schlagwerk und Gesang. Wichtig ist, die Einstellungen nicht nur bei der leeren Generalprobe zu machen: Ein voller Saal schluckt deutlich mehr Nachhall als ein leerer, dadurch klingt dieselbe Mikrofonposition am Abend anders als nachmittags.
Warum sind die Ansagen auf Konzertmitschnitten oft unbrauchbar?
Weil das Mikrofon der Moderation meistens nur auf die Beschallungsanlage geht und nicht in die Aufnahme. Das Hauptmikrofon steht vorne beim Orchester und bekommt die Ansage nur als fernen Nachhall mit. Abhilfe schafft eine eigene Spur vom Mischpult der Beschallung oder ein zusätzliches Mikrofon am Rednerpult. Ohne Ansagen lässt sich ein Konzertabend hinterher kaum zu einem zusammenhängenden Mitschnitt schneiden.
Soll der Applaus im Konzertmitschnitt bleiben?
Ja, sonst klingt der Mitschnitt steril und wie eine Studioaufnahme, die er nicht ist. Applaus, Reaktionen und Saalatmosphäre gehören zum Abend und machen den Unterschied zwischen einer Dokumentation und einem hörbaren Konzert. Herausschneiden lohnt sich nur bei langen Umbaupausen und einzelnen Störgeräuschen an ungünstigen Stellen.

Wenn bei euch ein Jahreskonzert ansteht, meldet euch am besten vor der Terminplanung – dann lässt sich der Aufbau in den Ablauf einbauen, statt ihn hinterher hineinzuquetschen. Alles zu Live-Recording und Mixing für Konzertmitschnitte.