Monokompatibilität

Mono? Watt?

Aber heute hat doch sogar jedes Smartphone zwei Lautsprecher. Und ist das überhaupt Mono, wenn man zwei Lautsprecher hat? Und warum mühen wir uns im Tonstudio immer noch ab, um Monokompatibel abzumischen?



Fragen über Fragen. Und hier sind die Antworten:


Als erstes: Mono bedeutet einfach nur dass es ein Signal gibt, also eine Quelle, eine Spur oder wie man das auch immer ausdrücken möchte. Eine Audiospur für einen Lautsprecher. Macht Sinn.


Aber was passiert jetzt, wenn man dieses Audiosignal über zwei Lautsprecher abspielt? Wird das dann zu Stereo? Ne, natürlich nicht.

Um das zu überprüfen muss man nur mal zwei Lautsprecher rechts und links vor sich stellen und eine Mono-Abmischung von einem Song abspielen. Und – Wunder, oh Wunder! – das Signal scheint von der Mitte her zu kommen. Also von exakt zwischen den beiden Lautsprechern. Und das liegt natürlich daran, dass links und rechts genau das selbe machen. Klingt also ziemlich öde. Und flach. Und Eindimensional. Was es ja auch ist.


Und jetzt anders rum.


Monokompatibilität.

Ich nehme zum Beispiel ein Schlagzeug ab. Jeweils ein Mikrofon für Kick, Snare, Becken, HiHat usw. und dann noch Overheads, Raummikrofone und was eben alles dazu gehört. Und statt dann alles in Mono zu lassen, verteile ich die Signale auf linken und rechten Lautsprecher. Dadurch, dass man Signale auch links und rechts mit unterschiedlichen Lautstärken und Zeitverzögerungen “gleichzeitig” abspielen kann, kann man jedes Signal über die Gesamte Fläche zwischen den Lautsprechern verteilen. Dadurch hat man plötzlich unglaublich mehr Platz:

Kick in die Mitte, Snare leicht daneben, HiHat nach links, Toms über die Fläche verteilen, Ride nach links und und und… Plötzlich hört es sich so an, als würde man direkt hinter dem Schlagzeug sitzen.


Und dann spiele ich es in Mono ab. WAS?! Ja, genau. Schrecklich, aber was will man machen. Omas Küchenradio funktioniert eben noch so. Und manche Radiosender tatsächlich auch noch. Und ganz zu schweigen von Vinyl. Schallplatten rasten völlig aus, wenn die Musik, die da rein-gepresst oder geschnitten wird, nicht Monokompatibel ist. Und das meine ich tatsächlich ernst. Die Nadel hüpft einfach raus.


Aber was macht ein Lautsprecher eigentlich, wenn man ein Stereosignal über ihn abspielt? Genau, er legt links und rechts zusammen. Dadurch löscht sich dann leider einiges aus, weil die Membran einen Lautsprechers ja nur entweder vor oder zurück (+ und -) kann.

Wenn die Membran des linken Lautsprechers also nach vorne gegangen ist und die des rechten nach hinten, macht der eine Lautsprecher was, wenn er beide Signal gleichzeitig bekommt? Jupp. Ganz nichts mehr. Und das ist nicht so toll.

Dadurch kann die Musik in Mono entweder sehr anders klingen, weil viele Frequenzen fehlen, oder im schlimmsten Fall einfach gar nicht mehr.


Aber ist das ganze denn wirklich noch nötig?


Nö. Nur, wenn man es ganz arg wichtig findet, dass die Musik immer und überall genau gleich klingt.

Allerdings kann es tatsachlich richtig doof klingen, wenn nicht-Monokompatible Musik auf einem alten Mono-Taschenradio in Omas Küche abgespielt wird. Andererseits klingt das ja immer ziemlich doof.


Ich für meinen Teil kümmere mich in den meisten Fällen darum, dass meine Musik monokompatibel ist. Aber nur, wenn die Musik das auch zulässt.

Bei Rock, Pop, Jazz usw. Machen wir das sowieso immer. Da ist das auch um einiges einfacher als zum Beispiel bei einer Orchesterproduktion.